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Opferrolle

Jeder Mensch hat in seinem Leben schon die ein oder andere Erfahrung mit Freunden oder einem Partner gemacht, die sich als Opfer der Gesellschaft sehen und „Pech“, ein „Missgeschick“ oder den „Zufall“ fernab ihres eigenen Verantwortungsbereichs stellen. Die Opferrolle schenkt Aufmerksamkeit und sorgt für Mitleid, stellt in den Mittelpunkt und führt dazu, dass der Mensch in der Gruppe in eine wichtige Position aufsteigt und Hilfe angeboten bekommt. Das „arme Ich“ braucht Anerkennung und sonnt sich in der neuen Aufmerksamkeit, die ihm als Opfer zuteil wird. Beim „Opfer“ unterscheidet man zwischen zwei Gruppen von Menschen. Zum einen gibt es die Aufmerksamkeit Suchenden, die sich bewusst in die Opferrolle begeben und die anschließende Anerkennung, das Mitleid und Mitgefühl des Umfelds genießen. Viel häufiger wird man aber zum Opfer, ohne sich dessen bewusst zu sein und diese Rolle im eigenen Ermessen zu spielen. Wer die Verantwortung für sein eigenes Denken und Handeln aus der Hand gibt und die Schuld an passierten Dingen auf die Gesellschaft, auf ein System oder gezielt auf einen Menschen schiebt. In der heutigen Zeit häufen sich die „Opfer“, die auf hohem Niveau klagen und dabei kein schweres Schicksal erfahren haben. Wer selbst zu dieser Praktik der Selbstmitteilung neigt, kann den Weg aus der Opferrolle lernen und sein Dasein aus einer neuen Perspektive betrachten.

Es gibt einige Aspekte, an denen man erkennt, ob man sich selbst als Opfer darstellt. Wer primär über die Vergangenheit und Zukunft spricht und die Gegenwart ausspart, sich unverstanden fühlt oder alle Aussagen auf sich projiziert, mit Schwächen spielt und so die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen erregt, ist auf direktem Weg in die Opferrolle. Anfänglich erhält man in der Familie und im Freundeskreis Mitleid und steht im Mittelpunkt. Doch wenn sich die Unglücke häufen und die eigene Person sprichwörtlich vom Pech verfolgt und vom Glück gemieden ist, kann dies in einen Kreislauf führen, aus dem man nur schwer wieder entkommt. Die Opferhaltung geht mit der Ablehnung guter Tipps und Lösungsvorschläge einher und hält viele Erklärungen bereit, warum ein Tipp nicht ausgeführt oder die Lösung vielleicht für andere Menschen, nicht aber für einen selbst in Frage kommt. Um sich aus dieser Position zu bringen und vom Opfer zu einem selbstbewussten und sich des eigenen Daseins und seiner Verantwortung fürs eigene Leben bewusst zu werden, gilt es, die Ursachen zu erkennen und für diesen Weg zurück in die Vergangenheit zu reisen. Kein Mensch wird bewusst zum Opfer, aber jeder hat die Möglichkeit, diese Rolle abzulegen und sich mit den Ursachen, die ihn in diese Position gebracht haben, auseinanderzusetzen.

Oftmals neigen Menschen, die in der Kindheit und Jugend wenig Zuwendung erhalten und auf sich selbst gestellt waren zur Opferrolle. Hat das Prinzip funktioniert und die Aufmerksamkeit auf die Person gerichtet, wird dieser Mensch seine Haltung beibehalten und ohne bewusste Steuerung immer in die Opferhaltung verfallen. Auch vermehrte Hilfsangebote in Bereichen, in denen man sich selbst unverstanden fühlt, können auf ein Leben als Opfer hinweisen. Auch wenn der Kreislauf gefangen hält und keinen Ausweg zu enthalten scheint, kann man der Rolle entkommen und sich auf sein wirkliches Ich konzentrieren. Am besten schreibt man hierzu auf, in welchen Situationen man sich mehr Zuwendung wünscht und welche Maßnahmen man ergreift, um diese zu erhalten. Sobald man in seinem Inneren spürt, dass man mit einer Schwäche, einem scheinbaren Unglück oder einem Umstand aus dem Zufall heraus an die Öffentlichkeit möchte und Mitleid sucht, nimmt man den Zettel zur Hand und sieht sich die aufgelisteten Punkte genau an. Anstelle über sein Unglück zu sprechen und sich selbst als Opfer zu verlieren, wendet man den Spieß und erzählt seinen Mitmenschen von Dingen, über die man glücklich ist.


© 2014 Holzapfel-Coaching, Fernanda Holzapfel

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